{"id":1358,"date":"2016-09-13T22:59:03","date_gmt":"2016-09-13T20:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php\/?p=1358"},"modified":"2017-03-07T21:09:36","modified_gmt":"2017-03-07T20:09:36","slug":"zeitspruenge-und-wurmloecher-in-fritzlar-27-28-august-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/?p=1358","title":{"rendered":"Zeitspr\u00fcnge und Wurml\u00f6cher in Fritzlar, 27.\/28. August 2016"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gelegentlich gibt es\u00a0Momente, da sieht man sich in einer anderen Person &#8211; in einer Situation die man schon erlebt hat, die einem irgendwie noch nachh\u00e4ngt, aber bis eben unter der Oberfl\u00e4che dahin waberte, eigentlich schon vergessen war, wie man glaubte\u00a0&#8230; Mir ging es an diesem Wochenende in Fritzlar so &#8230;<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab einige externe oder neue G\u00e4ste, die mich daran erinnerten, wie es mir einst ging &#8211; auf meinem ersten Seminar mit McCarthy sensei. (Das war 1998 in Schweden.) Eigentlich wusste ich alles, was es \u00fcber karate zu wissen gibt, kannte genug zumeist unf\u00e4hige und nur in Ausnahmef\u00e4llen irgendwie zumindest in Teilen \u00fcberzeugende Lehrer. \u00dcber \u00e4u\u00dfere und innere St\u00e4rke, Prinzipien, die unantastbar, weil ewig, wahr und offensichtlich waren, Geschichten, ihre kommunikative Absicht und ihren Wahrheitsgehalt, die notwendige und sinnvolle Akzentuierung oder Gewichtung von \u00dcbungen und ihren Ausf\u00fchrungsprinzipien etc. wusste ich doch eigentlich jede Menge und ganz ohne Zweifel, konnte ich mir ein Urteil erlauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ja, inzwischen wei\u00df ich, dass ich irrte, was mich sicher nicht daran hindert, den Fehler in analoger Weise erneut zu begehen &#8211; die eigene Arroganz kennt ja bekanntlich keine Grenzen. Jedenfalls\u00a0erinnere ich mich auch an das heilsame, mich bescheidende Gef\u00fchl der \u00dcberforderung, der offensichtlichen Ahnungslosigkeit und Unf\u00e4higkeit, das Gesehene, Geh\u00f6rte, Gef\u00fchlte in mein bis dahin so koh\u00e4rentes Karateweltbild (naja, es war wohl eher ein -dorfbild) zu integrieren. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Einsicht, dass hier von Grund auf alles irgendwie anders ist, als ich bisher dachte, dass Dinge, die ich f\u00fcr unantastbar und alternativlos hielt, aufgingen in einem ganzen Haufen von M\u00f6glichkeiten, deren Gemeinsamkeiten sich auf einer Verst\u00e4ndnisebene (erst sp\u00e4ter) ergaben, die fundamentaler als jedes meiner fundamentalsten Karateaxiome war &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles ist eine Weile her und, wie gesagt, ich hatte es fast vergessen &#8211; ebenso wie Senseis Satz, der sinngem\u00e4\u00df lautet \u00a0&#8220;What is obvious to me, remains a mystery to most other people I met in karate.&#8221; Ich hab diesen Satz immer f\u00fcr furchtbar arrogant gehalten, f\u00fcr T\u00fcren versperrend, ein unauthentisches, weil explizit von &#8220;oben&#8221; hergestelltes\u00a0Hierarchiegef\u00e4lle aufbauend. (Anmerkung: Das gilt trotz oder gerade wegen der faktischen und offensichtlichen Korrektheit\u00a0dieser Aussage, wenn sie aus Senseis Mund kommt.) Inzwischen d\u00e4mmert mir, dass es vielleicht die durch den Einfluss unausweichlicher \u00d6ffentlichkeit, z.B. die Anwesenheit eines Publikums, verkorkste Erinnerung an den eigenen Anfang sein k\u00f6nnte, die hier beschworen wird. Jedenfalls gibt es Momente, in denen ich mich ertappe, M\u00fche zu haben, mich in die Perspektive meines Gegen\u00fcbers zu versetzen, weil Sie gef\u00fchlte \u00c4onen hinter mir liegt und nur noch einer dunklen Erinnerung gleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Fritzlar_2016-Gruppenphoto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1364 size-large\" src=\"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Fritzlar_2016-Gruppenphoto-1024x455.jpg\" alt=\"Gruppenfoto, Fritzlar im August 2016\" width=\"750\" height=\"333\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Fritzlar scheint es Wurml\u00f6cher zu geben, denn die Zeitreisen dort sind doch immer irgendwie schr\u00e4g. Das gilt nicht nur f\u00fcr mich und meine &#8220;Reisen&#8221;, sondern auch f\u00fcr einige Anwesende, die mal hinter das zur\u00fcck fallen, was sie schon einmal konnten, pl\u00f6tzlich \u00fcberraschende Fortschritte machen und doch den Transfer von einer \u00dcbung zur anderen nicht dauerhaft hinbekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Achja, damals auf dem ersten Lehrgang war es nur sensei, der zum Umdenken zwang, auf den heutigen Seminaren gibt es jede Menge Leute, die den Lehrenden (z.B. mich) einfach ersetzen k\u00f6nnten, ohne dass die Qualit\u00e4t des Seminars sinken w\u00fcrde (vermutlich w\u00e4re sogar das Gegenteil der Fall). Sch\u00f6n, dass Leute vorbeischauen und sich scheinbar wohlf\u00fchlen k\u00f6nnen. Und auch sch\u00f6n, dass alle in und mit Ihrer Eigenzeit dahindriften &#8230; und mein Selbstverst\u00e4ndnis gelegentlich torpedieren. Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelegentlich gibt es\u00a0Momente, da sieht man sich in einer anderen Person &#8211; in einer Situation die man schon erlebt hat, die einem irgendwie noch nachh\u00e4ngt, aber bis eben unter der Oberfl\u00e4che dahin waberte, eigentlich schon vergessen war, wie man glaubte\u00a0&#8230; &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/?p=1358\"> <span class=\"screen-reader-text\">Zeitspr\u00fcnge und Wurml\u00f6cher in Fritzlar, 27.\/28. 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