{"id":1537,"date":"2017-06-14T23:58:03","date_gmt":"2017-06-14T21:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php\/?p=1537"},"modified":"2017-06-14T23:59:32","modified_gmt":"2017-06-14T21:59:32","slug":"mccarthy-hanshi-in-dresden-10-11-juni-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/?p=1537","title":{"rendered":"McCarthy Hanshi in Dresden, 10.\/11. Juni 2017"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit Jahren nichts neues &#8230;\u00a0<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so die Kernaussage eines Gespr\u00e4chs mit McCarthy Sensei am Rande eines Kushanku Seminars in Dresden &#8230; Er rede doch seit Jahren das Gleiche, seine Seminarvortr\u00e4ge (seminar lectures) sagen doch im Prinzip immer seit Jahren ein und das selbe &#8230; Ja, tun sie irgendwie und nein, tun sie ganz und gar nicht &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ca. 90 karate-ka haben sich an diesem WE, trotz verschiedener anderer Karateveranstaltungen in der Stadt, zu einem Kurztrip in die Welt der Kushankun entschieden, Ablauf und omote-Anwendungen am Samstag, ein &#8220;Anexplorieren&#8221; dessen was man als ura bezeichnen k\u00f6nnte am Sonntag. Neben den kleinen technisch-physischen Dingen, die man immer findet und die einen mehr oder weniger ent-setzen und dadurch die schon immer gleichen Dinge anders sehen lassen, waren es diesmal vor allem Senseis Worte, die mir klar werden lie\u00dfen, dass Innen- und Au\u00dfenperspektive nicht identisch sein m\u00fcssen und gelegentlich auch nicht sein k\u00f6nnen, dass es eines jener gedanklichen Grundmuster ist, die sich hier artikulieren. Gebunden an japanische Kultur schl\u00e4gt sich das in den Begriffen honne (\u672c\u97f3, das Wahre, Echte Innere, w\u00f6rtlich: das Ger\u00e4usch oder der Ton (\u97f3) des Wirklichen, Wahren (\u672c)) und tatemae (\u5efa\u524d,Maskerade, w\u00f6rtlich: das davor oder zuvor (\u524d) gebaute (\u5efa) ) nieder. Und verweist auf die gro\u00dfe Diskrepanz zwischen sozial Erw\u00fcnschtem und Gefordertem und dem individuell Gew\u00fcnschten. \u00a0Karate ist kata und kata ist karate, das eine Kern des anderen und dieses wiederum ein Mikrokosmos der Gesellschaft, in der es sich entwickelte. Kein Wunder also, dass sich auch im Karate oder mit Bezug auf die kata eine technische Entsprechung findet, die mit den Begriffen omote (\u8868,Oberfl\u00e4che, Au\u00dfenseite) und ura (\u88cf, R\u00fcckseite, andere Seite) beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diejenigen, die das erste Mal auf einem McCarthy-Semianr waren (und es gab wohl einige) lag die Aufmerksamkeit vermutlich woanders. \u00a0Sie waren vielleicht damit besch\u00e4ftigt, einen f\u00fcr 25 min angek\u00fcndigten, sich auf 50 min ausdehnenden Vortrag in ihr Bild eines Karateseminars zu integrieren oder damit, das innere Ringen um Aufmerksamkeit nicht auf der Au\u00dfenseite sichtbar werden zu lassen, weil das ja unh\u00f6flich w\u00e4re &#8230; Auf der anderen Seite oder irgendwo dazwischen, die j\u00e4hrlich wiederkehrenden Besucher, die bei der Ank\u00fcndigung eines Vortrages in eine bequemere Sitzposition wechselten, vielleicht abschalteten oder die sich breit machend freudige Erwartung registrierten, von einem Sprichwort, einer Maxime (\u8afa, kotowaza) zur n\u00e4chsten zu springen oder sanft geleitet zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die verwendeten Sprichworte als Indikatoren heranzieht, l\u00e4sst sich \u00fcber die Jahre hinweg sicher ein Weg nachzeichnen, der einen Wandel (in welchem Sinne auch immer &#8211; Erweiterung, Pr\u00e4zisierung, Akzentuierung, Verschiebung etc.) der Inhalte oder genauer der Konstruktion dieser Inhalte durch Sensei sprachlich manifestiert und dokumentierbar macht. Vielleicht dokumentiert diese Wahrnehmung aber auch nur, dass der Autor dieser Zeilen inzwischen anders oder Anderes h\u00f6rt. Wie dem auch sei, Senseis oben ge\u00e4u\u00dferte Innenansicht weist Diskrepanzen zu meiner Au\u00dfensicht auf seine Vortr\u00e4ge auf. Kant schreibt irgendwo &#8220;Gedanken ohne Inhalt sind leer und Anschauungen ohne Begriffe sind blind.&#8221; \u00a0Vermutlich haben sich Ver\u00e4nderungen auf allen Ebenen &#8220;ergeben&#8221; &#8211; die Art \u00fcber bestimmte Inhalte zu denken, aber auch die Inhalte selbst unterliegen Ver\u00e4nderungen, ihre Einbettung, ihre Bez\u00fcge untereinander. Mit Leere haben wir es also ganz sicher nicht zu tun und auch die Begriffe die herangezogen werden fassen verschiedene Dinge verschieden gut und im Laufe der Zeit immer wieder anders &#8230; Die Sprichworte erhalten eine zus\u00e4tzliche begriffs\u00e4hnliche Funktion. Sie versuchen ein Ph\u00e4nomen zu fassen und zwar nicht explizit zu definieren aber doch zug\u00e4nglich und greifbar(er) zu machen. Ganz blind sind wir also auch nicht &#8230; \u00a0Und doch steckt gerade in Ihnen wieder das was mit dem omote-ura-Konzept bezeichnet wird. Insofern eine sch\u00f6ne Entsprechung zwischen Gegenstand und Sprache mit der derselbe erzeugt oder bearbeitet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">How you do anything is how you do everything. \u00a0In Senseis Fall scheint es mir so zu sein, dass jedes Ding jedes mal anders ist, dass er ganz sicher nicht alle Dinge auf die gleiche Art und Weise tut, ja nicht einmal zweimal ein und dasselbe Ding auf die gleiche Art und Weise tut. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schritte im KU und den Eindruck \u00a0&#8220;das geht doch nicht, es muss doch eine richtige Version (wovon auch immer) geben&#8221;. \u00a0Ziemlich schnell wurde mir klar, dass genau das eine St\u00e4rke ist und heute, 20 Jahre sp\u00e4ter, f\u00fchle ich mich an mein damaliges Selbst erinnert, wenn ich auf Seminaren mit der Frage nach der richtigen Version konfrontiert werde. Der Ansatz einer Erkl\u00e4rung wird ganz unterschiedlich aufgenommen. Von einem \u00a0unproblematischem Umgang mit der somit nun offiziell erlaubten Spielfreiheit \u00fcber ein nachdenkliches Abw\u00e4gen bis hin zu einer deutlichen Abwehrhaltung &#8211; sprachlich, k\u00f6rperlich oder\/und geistig &#8211; reicht das Spektrum. How you do anything is how you do everything. Leidenschaft f\u00fcr die Kampfkunst ist es, die ich in jeder von Senseis Handlungen sehen kann &#8211; damals wie heute. Alles andere ist im Fluss, entwickelt sich &#8211; und wird jedes mal neu und anders (gemacht), ohne dabei gegen die Prinzipien zu versto\u00dfen, um die man eben in einer Kampfkunst nicht herum kommt. Sie sind es die seit Jahren gleich sind, aber doch immer wieder neu interpretiert werden. Willkommen in der Endlosschleife &#8230; in der man irgendwann merkt, dass nicht das Ankommen, sondern das Unterwegs-Sein das Ziel darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danke an Hendrik, Felix, Lutz, Christopher, Sascha, Karsten, Enrico und alle anderen die mitgewirkt und -gestaltet haben. Danke an alle deutschen KU-Sch\u00fcler (und Lennart from Denmark), die es m\u00f6glich gemacht haben, auch in diesem Jahr von der Quelle aka McCarthy sensei lernen zu k\u00f6nnen, an all jene Unterst\u00fctzer, die seit Jahren dabei sind (z.B. Eric, Micha, Hagen) und unabh\u00e4ngig von Stil oder Verband Gedanken, Techniken, Ideen, Werte, Traditionen teilen, an die, die offen genug sind, sich Neuem auszusetzen und \u00fcber den eigenen Tellerrand zu schauen &#8211; egal ob sie beim n\u00e4chsten mal wiederkommen oder nicht. Danke, sensei!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1544\" src=\"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"682\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-768x1153.jpg 768w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-150x225.jpg 150w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-450x676.jpg 450w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-600x901.jpg 600w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017_PM_DD_small-900x1351.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren nichts neues &#8230;\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1545,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1537"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1548,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1537\/revisions\/1548"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}