{"id":1857,"date":"2018-12-17T18:08:49","date_gmt":"2018-12-17T17:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/index.php\/?p=1857"},"modified":"2019-02-10T23:05:46","modified_gmt":"2019-02-10T22:05:46","slug":"mccarthy-hanshi-seminar-2018-in-dresden-oder-wieviel-erinnerung-braucht-der-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/?p=1857","title":{"rendered":"McCarthy Hanshi Seminar 2018 in Dresden oder wieviel Erinnerung braucht der Weg?"},"content":{"rendered":"\n<p>Da war er also, mein pers\u00f6nlicher Jubil\u00e4umslehrgang. Ganz unaufgeregt und auch unerw\u00e4hnt, aber wenigstens doch im Nachhinein eine Markierung wert. 1998 war ich das erste Mal auf einem Seminar mit McCarthy Sensei. Es fand bei Stockholm, Schweden, statt, gesponsert von Leif Hermannson, dem Vater von Jesse Enkamp (bekannt durch seinen Blog \u201eKarate by Jesse\u201c). Damals war von dieser Idee vermutlich noch nichts in Jesses Kopf, aber Karate stand f\u00fcr ihn schon damals auf der Tagesordnung. Ein paar Monate zuvor war mein damaliger Lehrer nach Texas geflogen, um den Mann, den er nur durch dessen Ver\u00f6ffentlichungen kannte, unter die Lupe zu nehmen. (Damals waren viele der \u00dcbersetzungen McCarthy Senseis auf der Homepage der IRKRS online verf\u00fcgbar &#8212; so viele, dass es Tage dauerte, Sie alle zu lesen und der Ausdruck der Texte und Fotos im A4-Format mehr als einen Aktenordner f\u00fcllte. Mehr als genug, um das Interesse eines langhaarigen Geradeso-Twens zu wecken, der vom Inhalt angetan, aber eben auch \u00fcberfordert war, weshalb er die Sache seinem Lehrer \u00fcbergab, dem es, r\u00fcckblickend wei\u00df ich das, nicht anders ging.) Die begeisterte R\u00fcckkehr aus Texas hatte zur Folge, dass die fortgeschrittenen \u00dcbenden eines damaligen Berliner Goju Ryu Dojo mit der F\u00e4hre \u00fcber die Ostsee tingelten und v\u00f6llig verschlafen zwei unvergessene und richtungweisende Seminartage absolvierten. Von den damals Mitreisenden ist nur noch eine Person aktiv dabei, aber ohne die damalige Atmosph\u00e4re der Suche und des \u201eLernenwollens\u201c f\u00fcr die alle Beteiligten verantwortlich zu machen sind (Danke, Dirk, Matze, Hanne!), w\u00e4re es nie zu dem gekommen was eine unumkehrbare Entscheidung, einige Abschiede und Neuanf\u00e4nge nach sich ziehen sollte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Seminar thematisierte unter anderem Chokyu kata, quasi die KU Gekki Sai, die ihrer Geschichte wegen ein theoretischer Augen\u00f6ffner war und mit der ersichtlich anderen (neuen, eigentlich fremden und doch sofort vertrauten) K\u00f6rperdynamik ein neues Gef\u00fchl f\u00fcr Karate und schlie\u00dflich mit den unterrichteten Anwendungen ein bekanntes aber bis dahin zwar lautstark nachgeplappertes aber wegen Mangels an \u00fcberzeugenden Beispielen dann doch nie wirklich geglaubtes oder gar gef\u00fchltes \u201eKata-ist-Anwendung\u201c-Mantra zum Leben erweckte. In kurz, nach 48h war nichts mehr wie es vorher war. Viele f\u00fcr wahr befundene Grund\u00fcberzeugungen aus der damals noch d\u00fcnnen Literatur, aber auch aus den bem\u00fchten, letztlich aber an (nur unterschwellig eingestandener) Unwissenheit und Unf\u00e4higkeit leidenden, empfangenen und geleiteten \u00dcbungseinheiten im heimischen Dojo, gingen schlicht \u00fcber Board und blieben auf dem Boden der Ostsee zur\u00fcck. Ist die Saat einmal ausgebracht, muss man nur noch warten, was aus ihr erw\u00e4chst \u2013 Ignoranz, Angst, Protektionismus, Abkehr, ein Potential, eine Chance, ein Zugewinn, ein Traum, ein Vorhaben, ein Eingest\u00e4ndnis, eine Aufgabe, ein Anfang, ein Weg &#8230; Dabei (de)generiert manchmal das Eine zum Anderen und das Andere zum Einen und erst in der (entfernten) R\u00fcckschau wird klar, worum es sich letztlich handelte. Auch deshalb sind R\u00fcckschauen so gewinnbringend. R\u00fcckschauen brauchen aber Referenzpunkte. Wer nicht gerade regelm\u00e4\u00dfig Videoaufzeichnungen oder\/und sehr detaillierte Notizen anfertigt, z.B. weil er \u2013 wie ich \u2013 f\u00fcr beides zu faul ist, ben\u00f6tigt solche Referenzpunkte um so mehr. Erinnerungen an die K\u00f6rperwahrnehmung von damals, die Gef\u00fchle und Gedanken, die Werte und Vorstellungen von \u201erichtig\u201c und \u201eoptimal\u201c, die damaligen Antworten auf die immer gleichen Fragen etc. sind wichtig, denn erst dadurch werden Schwierigkeiten, Einschr\u00e4nkungen, Sackgassen, Einbildungen, manchmal auch \u00c4ngste oder zumeist innere Entwicklungshindernisse, Grenzen, Fort- und Hinschritte, sichtbar(er). F\u00fcr mich sind (einige) Seminare solche Referenzpunkte. Selten gelingt es auch besondere \u00dcbungseinheiten, die man besucht oder selbst gegeben hat als solche Referenzpunkte wahrzunehmen, in der Regel aber ist die t\u00e4gliche \u00dcbung nicht geeignet, als Anker f\u00fcr weit in der Zukunft liegende R\u00fcckblicke zu dienen. So wichtig also die Auseinandersetzung mit der t\u00e4glichen \u00dcbung und das Verbleiben im Moment f\u00fcr die eigene Mikroentwicklung auch sind, auf der Makroebene bedarf es eben herausstechender Referenzpunkte, Erinnerungshilfen, Anker, um sich noch wenigstens aspekthaft im Holzsschnitt der rekonstruierten Erinnerung orientieren zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Jubil\u00e4umsseminar fand \u00fcbrigens in Dresden statt, wie gesagt eher unaufgeregt, ein ganz normales Seminar eben. Auf dem Plan standen Ry\u016bshan und Sakugawa no Kon. <\/p>\n\n\n\n<p>Ry\u016bshan (\u9f8d\u5c71,\u201eBergdrachen\u201c) soll zum Repertoire des chinesischen Teeh\u00e4ndlers und KampfkunstexpertenW\u00fa Xi\u00e1ngu\u00ec (japanisch: Go Kenki) geh\u00f6rt haben, der sein Wissen und K\u00f6nnenvon 1915 bis 1940 in Kumemura an einige Okinawaner vermittelt hat.&nbsp;Zu diesen geh\u00f6ren u.a. sp\u00e4tere Stilgr\u00fcnder wie Chit\u014dseTsuyoshi oder Ch\u014djun Miyagi. Letzterer schuf, offenbar inspiriert durchRy\u016bshan, die f\u00fcr \u201esein\u201c Karate zentrale Form Tensh\u014d \u8ee2\u638c,die durch die globale Verbreitung des G\u014dj\u016bry\u016b und Shit\u014dry\u016b heute zu den bekanntestenKarate-Routinen \u00fcberhaupt z\u00e4hlt. W\u00fa Xi\u00e1ngu\u00ec unterrichtete ebenfalls Hanashiro Ch\u014dmo, in dessen Lehrlinie die Form Ry\u016bshan \u00fcber Kinj\u014d Hiroshi und Richard Kim an Patrick McCarthy weitergegeben wurde. Die korrespondierende Zwei-Personen-\u00dcbung Rokkishu \u516d\u6a5f\u624b enth\u00e4lt elementare Anwendungen der Tensh\u014d-Kata und stand ebenfalls auf dem Programm, getreu dem KU-Mantra \u201eKata ist immer (auch) Anwendung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am Sonntag stand die \u00fcber Chinen Sanda, \u014cshiro Ch\u014djo und wiederum Kinj\u014d Hiroshi tradierte Yamane-Ryu Langstock-Form Sakugawa no kon auf dem Programm. Sie z\u00e4hlt zu den popul\u00e4rsten B\u014d-Kata des okinawanischen Kobujutsu und soll auf den legend\u00e4ren Meister Sakugawa Kanga zur\u00fcckgehen. Eine runde Pechin Kumi Bo geh\u00f6rt nat\u00fcrlich immer auch dazu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"710\" src=\"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-1024x710.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1860\" srcset=\"https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-1024x710.jpg 1024w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-300x208.jpg 300w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-768x532.jpg 768w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-100x69.jpg 100w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-150x104.jpg 150w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-200x139.jpg 200w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-450x312.jpg 450w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-600x416.jpg 600w, https:\/\/www.ku-germany.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/PM_DD_2018-900x624.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ca. 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen von nah und fern, Freunde, alte Bekannte und neue Bekanntschaften. Die n\u00e4chste Gelegenheit f\u00fcr ein Treffen in diesem Rahmen bietet das n\u00e4chste Seminar mit Hanshi McCarthy, das 2019 wieder in Dresden stattfindet und ein Jubil\u00e4umsseminar wird, denn im April 1999 fand das erste Seminar mit McCarthy Sensei in Deutschland statt. Ich freue mich schon jetzt auf euch alle und danke Hendrik Felber Sensei und dem Furyukan K\u00f6nigsbr\u00fcck f\u00fcr die wieder einmal grandiose Organisation und Durchf\u00fchrung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da war er also, mein pers\u00f6nlicher Jubil\u00e4umslehrgang. Ganz unaufgeregt und auch unerw\u00e4hnt, aber wenigstens doch im Nachhinein eine Markierung wert. 1998 war ich das erste Mal auf einem Seminar mit McCarthy Sensei. 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