Haßloch, ein Aprilmärchen (27./28.4.)

Es war zu jener Zeit, als die Menschen mit schlauen Telefonen umherliefen, Bilder von Wirbelstürmen des Saturns in den Medien kursierten und ca. 800 Jahre nach Roger Bacons Vision („Eines Tages wird man Karren zu bauen vermögen, die sich bewegen und in Bewegung bleiben, ohne geschoben oder von irgendeinem Tier gezogen zu werden.“), der Carl Benz 1886 Leben einhauchte  …

Zu dieser Zeit also war ich unterwegs in das liebliche Haßloch, nein nicht das Gegenteil von Liebeshügel, sondern ethymologisch gesehen eine Gegend mit vielen Haselnusssträuchern … Pflichtbewusst und völlig entgegen meiner Gewohnheit hatte  ich geplant, 1,5 h vor Abflug am Flughafen anzukommen. Das war leider nicht genug. Dabei sah zunächst alles so gut aus. Der Teil mit der DB hat PROBLEMLOS geklappt, das muss man ja schließlich mal erwähnen. Allerdings waren 4 aufeinanderfolgende Busse von der City Berlins zum Flughafen mal eben wegrationalisiert. Berlin – arm !!! aber sexy?? Nach entfallenem Bus Nr. 3 kam mir die schlaue Idee ein Taxi nehmen zu wollen, worauf hin ich am anderen Ende der Leitung schallendes Gelächter erntete und mir empfohlen wurde, weiter auf den Bus zu warten … . Der fünfte Bus kam dann auch … total überfüllt. Einsteigen und Aussteigen dauerten allein an der ersten Station fünf Minuten. Es gibt  nicht genug Physikunterricht an Berliner Schulen, denn sonst wüssten die Beteiligten: Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein. Die Widerlegung dieses einfachen physikalischen Prinzips gelang auch hier nicht, die sich ergebene Konsequenz, dass nicht alle Personen gleichzeitig im Eingangsbereich des Busses stehen können, war dennoch schwer zu vermitteln … Egal, im Schritttempo Richtung Flughafen, Sprint durch den Flughafen, böse Blicke des Sicherheitspersonals, einsichtige Wachschutzleute, die mich am Sicherheitsbereich vorlassen und dann die Feststellung: Der Flug war pünktlich und seit 20 min weg.  (An dieser Stelle lohnt es sich keine Lowcost-Airline gebucht zu haben. Die Umbuchung auf den nächsten Flug kostet zwar immer noch mehr als der ursprüngliche Hin- und Rückflug zusammen, aber nur die Hälfte des günstigsten neuen Tickets.) Nun gut, 30 min gewonnen. Was nun? Nachricht an Bernd … das mit dem Training am Freitagabend wird wohl nichts … Aber vielleicht ja doch, wenn in FRA alles am Schnürchen läuft und mich da jemand abholt …

… soweit der Plan. Andrea & Marc holen mich wirklich am Flughafen ab und eigentlich hätte es zeitlich fast noch klappen könen, wäre da nicht ein ca. 25 min dauerndes Telefonat mit Andrea, dass dem Zweck diente einander zu finden…

A: Raus und nach links! Da stehen wir … O: Ich bin ganz links. Ihr steht hier nicht. …

Eigentlich hatte ich noch die versteckte Kamera gesucht, aber die war nicht zu finden. Nun gut, nach (insb. für Marc) anstrengender Fahrt über die nasse Autobahn haben wir es dann geschafft … ich jedenfalls hatte den Kanal gestrichen voll und brauchte eine Dusche! (Dank nach Bielefeld fürs Abholen!)

Nun konnte das Seminar ja losgehen. Niseishi, im japanischen auch Nijushiho, eine meiner liebsten Kata. Tatsächlich war dies mal ein Lehrgang, auf dem ich nicht versucht habe eine Hauptbotschaft zu transportieren, sondern einfach nur die Kata selbst. Vielleicht weil sie es nicht nötig hat, dadurch (scheinbar) verständlicher gemacht zu werden, dass man sie aus einem fertigen Theorierahmen heraus betrachtet oder weil sie es nicht verdient hat, dadurch an den Rand gedrängt zu werden, dass sie als Beispiel für das Allgemeine dient. Keine Erwähnung der HAPV- oder Kata-Evolutionstheorie. Einfach nur die Kata und je eine Beispielanwendung. Zu wenig vielleicht, nicht elaboriert genug, zu flach oder eingeschränkt? Nun ja, das müssen andere entscheiden. Schön jedenfalls, dass die Kata jetzt unter ein paar mehr Leuten verbreitet ist.

Ein theoretischer Gedanke, der jedenfalls in meiner Wahrnehmung ein paar überraschte oder verwirrte Gesichter hervorrief, wäre dann doch noch reflexionswürdig. Es ging um die Aussage, dass Kata-Interpretation (wie alles interpretieren) immer mehr ist, als das Entdecken und Rekonstruieren dessen, was der „Autor“ der Kata in diese hineingesteckt hat.

Kata interpretieren heißt (jedenfalls in meinem Verständnis) nicht den psychologischen Vorgang des „Sich-Hineinversetzens“ in den Autor zu vollziehen – jedenfalls nicht nur. Es heißt grundsätzlich darüber hinaus zu gehen, indem das Denkmögliche gedacht wird, indem potenzielle Bedeutung im Rahmen des eigenen (historischen, erfahrungsbasierten, menschlichen, kulturellen) Horizontes erkundet wird. Damit verweist Kata auf viel mehr als nur einen Lehrer, sondern immer auch auf das Menschsein an sich. Soweit der auf dem Seminar ein wenig vertiefte Gedanke, den man nun dank Verschriftlichung nachträglich vielleicht leichter doch noch als -wie ich meine – trivial und offensichtlich erkennen kann.

Puuh … ok, wem das zu esoterisch war, jetzt geht’s weiter …

Gregor war ja auch noch da … BJJ aus Augsburg. Sehr cool – wie immer! Ich jedenfalls hab eine Menge mitgenommen – vielen Dank, Gregor! Nicht nur für die Techniken, sondern auch für das unaufgeregte, verständliche und bescheidene Drumherum und vor allem für die Erinnerung, dass „Rollen“ nicht spezifisches Training ersetzen und Lernen nur miteinander gelingen kann!!

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Diese und weitere Fotos gibt es hier. Vielen Dank an Marc und Andrea, Joriki Dôjô Bielefeld.

Es bleibt mir, Bernd, Yvonne, Jannik und Lukas für Ihre Gastfreundschaft zu danken. War wieder schön bei Euch! Vielen Dank auch an Euch alle, die ihr vor und hinter den Kulissen unterstützend dabei ward und natürlich allen TeilnehmerInnen — für Energie, Einsatz und Interesse. Macht’s gut — in Frankreich 😉 oder Deutschland oder sonst wo und bis bald. In Veldhoven?

P.S.: Achja, der Rückweg … Ich erspare Euch die Einzelheiten. Diesmal war es dann doch wieder die DB, die mir einen Sprint durch den Flughafen (man ist der groß) und eine Security Eskorte eingebracht hat. Immerhin, ich saß im Flieger und wurde mitgenommen – gerade so … 😉

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