Helsinki, 28./29. Januar 2017

Da fährt man im Januar 2017, dem Jahr in dem Blondi Präsident der USA wird, nach Helsinki, Finland … und das einzige was man erwarten sollte ist Schnee – snow, great snow, the best snow in the world for the best people in the world, our people … all snowy, white – the best white snow ever, really … Nun ja, Schnee gab’s nicht, ganz Helsinki war grau und nur außerhalb im Wald ein paar vereiste Wanderwege, auf denen sich noch Schneereste finden ließen. Hoffen wir dass das die einzige „Gewissheit“ ist, die in diesem Jahr über Board geht.

Abgesehen davon, dass dieser Start ins neue Jahr Weltpolitik Ländergrenzen überschreitend diskussionsbedürftig erscheinen lässt, war die Zeit in Helsinki wie immer … Alles beim Alten und doch ergeben sich aus all den Gesprächen, geteilten Gedanken, gemeinsamen Übungsstunden oder auch Spaziergängen immer ein paar Anlässe zum Nachdenken, manchmal auch kondensierte oder materialisierte Gedanken, die vorher nicht so ganz greifbar waren oder weniger schön formuliert …

So auch diesmal …

Man kann im Karate relativ schnell relativ gut werden, aber ohne Wert auf „Form“ zu legen, gibt es eine Grenze dafür, wie gut man werden kann.

Wie gesagt, keine Unbekannte Weisheit, die da aus Ante gesprudelt ist, aber doch ein Phänomen der Kampfkunst auf den Punkt gebracht. Vielleicht hat ja noch jemand Spaß/Sinnerleben mit diesem Satz und seinen Implikationen, seinem verführerisch einfachen Erscheinen, tiefen Inhalt und Grenzen 😉

Das Leben bewegt sich bekanntlich in Schleifen und bestimmte Themen tauchen immer wieder auf. Häufig in Form von Spannungsfeldern, die sich durch ihre Pole konstituieren (frau/man denke dabei nicht an ein geordnetes Spektrum, sondern eher an ein dialektisches Ineinanderverwickeltsein). Neben dem Form-Funktion-Thema kam es an diesem Wochenende auch zu einer erneuten Begegnung mit dem Konkreten und Allgemeinen. In jeder Kampfkunst geht es darum, die Prinzipien zu verstehen, sie situationsadäquat anzuwenden, aus Ihnen konkrete Handlungen/Reaktionen abzuleiten. Und doch gibt es keine Kampfkunst die die edlen, reinen Prinzipien – auf welcher Ebene der Verallgemeinerung/Erkenntnis  man sie auch immer vermutet – lehrt, viel mehr erarbeitet sich jede/r ihre/seine eigene Systematik und entdeckt anhand dreckiger Konkretion das ein oder andere verallgemeinernde/verallgemeinerte Prinzip nach. Wer das Glück hat einen Lehrer in seiner Nähe zu wissen, kennt die Erfahrung des „Aha“-Effekts, der einem einzelne Dinge schneller zugänglich und einsichtig macht und gleichzeitig auch die Erfahrung des „Warum hat er/sie das nicht gleich gesagt?“ und dann das … „Ach so hat er das gemeint … Warum hab ich das nicht gleich verstanden? Er hat es doch schon so oft gesagt!“

Der Sinn jedes Lehrens ist nur: auf das, was jeder in sich selbst hat, ohne es selbst schon zu wissen, hinzudeuten und es bewusst zu machen. Es gibt kein Geheimnis, das der Meister dem Schüler übergeben könnte.

-Ito Tenzaa Chuya, Die wunderbare Kunst einer Katze

Lehrer versuchen, die von Ihnen als bedeutsam erkannten Prinzipien lernbar zu machen, sie zu konservieren und weiterzugeben. Meist, in dem Sie eine neue Technik/Übung entwickeln. Das ist gut so, denn ohne diesen Impuls würde die Kampfkunst stehen bleiben, sich nicht weiter entwicklen, absterben. Und doch kann dieser Impuls problematisch werden. Jedes aus ihm entstehende Produkt läuft Gefahr Hindernis statt Hilfe zu werden, Das eigene Verstandene kann leicht mit dem zu Verstehenden verwechselt werden. Verstandene Prinzipien sind immer eigene, erfahrene, gefühlte, nie mitgeteilte Dinge. Was also ist es, dass das Lehren & Lernen von Prinzipien ermöglicht. Ich habe darauf kein gute und vor allem kein endgültige Antwort, aber mir scheint, als wären Details ein Schlüssel. Ohne Sie bleiben die ggf. gefundenen Prinzipien hohl, erst durch sie, ihre Fülle und scheinbare Unüberschaubarkeit  ergibt sich eine gewisse Notwendigkeit für die Suche nach dem Allgemeinen, dem Prinzipiellen. Bis zum Beweis des Gegenteils habe ich also vor, mich um Details zu kümmern. Die sind ganz unspektakulär, leise, unscheinbar, lästig, leicht zu übersehen und nicht immer beliebt. Aber hej, ist das nicht cool? Und wer (mehr als die ohnehin immer mitgelieferte) Systematik braucht, der sollte sie sich schaffen.

Obey the principles without being bound by them.

-Bruce Lee

 

Vielen Dank an Bernd, Andrea & Yvonne für eure Hilfe.

 

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